Altersvorsorge in Deutschland: Säulen, Rechnung und Strategien

Die gesetzliche Rente allein reicht für die meisten Menschen nicht aus, um den Lebensstandard im Alter zu sichern. Eine durchdachte Altersvorsorge kombiniert verschiedene Säulen und beginnt idealerweise früh.

Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Säulen der Altersvorsorge in Deutschland, zeigt die typischen Rechenwege und gibt Strategien für verschiedene Lebensphasen.

Die drei Säulen der Altersvorsorge

Das deutsche Altersvorsorgesystem beruht traditionell auf drei Säulen:

  1. Gesetzliche Rentenversicherung: Pflicht für Arbeitnehmer, finanziert durch Beitragssätze von derzeit 18,6 % auf Bruttolohn.
  2. Betriebliche Altersvorsorge: Über den Arbeitgeber organisiert, oft mit Arbeitgeberzuschuss.
  3. Private Vorsorge: Riester, Rürup, private Rentenversicherungen, ETF-Sparpläne, Immobilien.

Die gesetzliche Rentenversicherung

Die gesetzliche Rentenversicherung ist das Fundament für die meisten Arbeitnehmer. Finanziert wird sie im Umlageverfahren: Die aktuell Beschäftigten zahlen für die aktuellen Rentner. Das System funktioniert, solange genug Beitragszahler vorhanden sind. Bei sinkender Geburtenrate und steigender Lebenserwartung gerät das System jedoch unter Druck.

Die Rentenhöhe richtet sich nach eingezahlten Beiträgen und Beitragsjahren. Ein „Rentenpunkt" entspricht dem Durchschnittsverdienst eines Jahres. Bei 45 Beitragsjahren mit durchschnittlichem Verdienst erhalten Sie 45 Rentenpunkte. Multipliziert mit dem aktuellen Rentenwert (2025: rund 39 Euro in Westdeutschland) ergibt das die Monatsrente.

Beispielrechnung: 45 Jahre Durchschnittsverdienst × 39 Euro Rentenwert = 1.755 Euro monatliche Rente vor Steuern und Krankenversicherung.

Das Rentenniveau

Das Rentenniveau beschreibt das Verhältnis der Standardrente zum Durchschnittsverdienst. Es lag 2025 bei rund 48 % und soll gesetzlich nicht unter 48 % sinken. Das bedeutet: Wer durchschnittlich verdient hat, bekommt eine Rente, die etwa der Hälfte seines letzten Nettoeinkommens entspricht. Für viele ist das zu wenig, um den Lebensstandard zu halten.

Betriebliche Altersvorsorge (bAV)

Die betriebliche Altersvorsorge wird zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart. Der Arbeitnehmer verzichtet auf einen Teil seines Bruttogehalts, das für die Altersvorsorge angelegt wird. Vorteile sind Steuervorteile und Sozialversicherungserleichterungen in der Ansparphase. Arbeitgeber müssen ab 2022 einen Zuschuss von mindestens 15 % leisten, wenn der Arbeitnehmer über 2.200 Euro im Jahr umwandelt.

Nachteile: Die Auszahlung im Alter ist voll zu versteuern und unterliegt der Krankenversicherungspflicht. Wer eine hohe Steuerlast im Ruhestand erwartet, sollte die bAV sorgfältig rechnen.

Riester-Rente

Die Riester-Rente ist staatlich gefördert: Es gibt Grundzulage (175 Euro pro Person), Kinderzulage (300 Euro pro Kind) und Steuerabzug bis zu 2.100 Euro jährlich. Riester lohnt sich besonders für Familien mit Kindern und Geringverdiener. Die Rendite ist oft modest, da Verwaltungskosten hoch sind. Achten Sie auf niedrige Kosten und flexible Produkte.

Rürup-Rente

Die Rürup-Rente (Basisrente) richtet sich an Selbstständige und Freiberufler, die keine gesetzliche Rente ansammeln können. Beiträge sind steuerlich absetzbar, die Auszahlung erfolgt als lebenslange Rente. Im Gegensatz zu Riester gibt es keine Kapitalauszahlung, aber höhere steuerliche Vorteile in der Ansparphase.

Private Vorsorge: ETF-Sparpläne

Für viele Sparer sind ETF-Sparpläne die attraktivste private Vorsorge. Vorteile:

Historisch liegt die Rendite weltweiter Aktienmärkte bei 7 bis 8 % pro Jahr vor Inflation. Nach Inflation bleiben etwa 4 bis 5 % realer Zuwachs.

Immobilien als Altersvorsorge

Eine selbst genutzte Immobilie bietet im Alter mietfreies Wohnen. Nach Abbezahlung der Kredite sinken die monatlichen Kosten erheblich. Als Kapitalanlage vermietete Immobilien bringen Mieteinnahmen, erfordern aber aktives Management.

Steuern, Instandhaltung, Kaufnebenkosten ( Grunderwerbsteuer, Notar, Makler) und Zinszahlungen müssen in die Rechnung einfließen. Immobilien eignen sich besonders für Sparer mit ausreichend Eigenkapital und langer Anlagehorizont.

Versicherungen: Lebensversicherungen und private Renten

Klassische Lebensversicherungen bieten Garantien, sind aber renditeschwach. Die Garantieverzinsung liegt 2025 bei nur noch 0,25 %. Für die Altersvorsorge spielen sie eine untergeordnete Rolle, außer für sehr risikoaverse Sparer. Private Rentenversicherungen mit Investmentanteilen (fondsgebunden) bieten höhere Renditechancen, aber ohne Garantie.

Wie viel sollte man sparen?

Die Faustregel lautet: 15 bis 20 % des Bruttoeinkommens sollten für die Altersvorsorge zurückgelegt werden. Davon deckt die gesetzliche Rente etwa 18 % ab (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil zusammen). Wer privat zusätzlich sparen möchte, sollte mit 5 bis 10 % des Nettoeinkommens beginnen.

Wichtig ist der frühe Beginn. Wer mit 25 Jahren 200 Euro pro Monat in einen ETF mit 7 % Rendite investiert, hat mit 65 Jahren etwa 524.000 Euro. Wer erst mit 35 Jahren beginnt, kommt auf nur 244.000 Euro — bei gleicher monatlicher Rate.

Steuerliche Aspekte im Alter

Im Ruhestand fallen Steuern auf die gesetzliche Rente, betriebliche Vorsorge und private Kapitalerträge an. Der steuerliche Freibetrag für Kapitalerträge liegt bei 1.000 Euro pro Jahr und Person. Bei der ETF-Anlage ist die Teilfreistellung wichtig: Auf Aktien-ETFs werden nur 70 % der Gewinne besteuert.

Fazit

Eine durchdachte Altersvorsorge kombiniert verschiedene Säulen und beginnt so früh wie möglich. Nutzen Sie die staatliche Förderung (Riester, bAV), füllen Sie mit privaten ETF-Sparplänen auf und ziehen Sie Immobilien in Betracht. Wer früh plant und konsequent bleibt, kann seinen Lebensstandard im Alter sichern.

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Häufige Fragen

Wie viel Prozent sollte man für die Altersvorsorge sparen?

Die Faustregel lautet 15 bis 20 % des Bruttoeinkommens. Davon übernimmt die gesetzliche Rente bereits einen Teil, privat sollten es mindestens 5 bis 10 % des Nettoeinkommens sein.

Was ist das Rentenniveau in Deutschland?

Das Rentenniveau lag 2025 bei rund 48 %. Das bedeutet, dass die Standardrente etwa der Hälfte des Durchschnittsverdienstes entspricht.

Lohnt sich die Riester-Rente?

Riester lohnt sich besonders für Familien mit Kindern und Geringverdiener durch staatliche Zulagen. Für andere Sparer sind oft ETF-Sparpläne attraktiver.

Ab wann sollte man mit der Altersvorsorge beginnen?

So früh wie möglich. Wer mit 25 statt 35 Jahren beginnt, kann bei gleicher monatlicher Rate mehr als doppelt so viel Kapital ansammeln.